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Die Provinz Zeeland...
liegt im südwestlichsten Teil der Niederlande und zählt heute ca. 380000 Einwohner. Die Region grenzt im Norden an die Provinz Südholland, im Osten an Brabant, im südlichen Teil an die Provinz Flandern (Belgien) und im Westen an die Nordsee.
Die Gesamtfläche Zeelands beträgt rund 295000 Hektar, wovon 2/3 Land und 1/3 Wasser ist. Fast die komplette Landfläche besteht aus Meeresboden, mit Ausnahme der Küstendünen und etwas Sandgrund in der Region zeeländisch Flandern. Die Provinz ist seit dem Deltaprojekt verkehrstechnisch vernetzt und vor schweren Sturmfluten geschützt, doch dies war keineswegs immer so.
 
 
Historisches
Bereits weit vor Beginn unserer Zeitrechnung war das Land zumindest teilweise besiedelt. Fossile Funde belegen die Nutzung von Landfläche im zeeländischen Deltagebiet. Ausgrabungen von Steinzeit-Werkzeugen, aber auch Funde von vorzeitlichen Tieren (z.B einem Mammut-Skelett) sind der Beweis für die Existenz von Landgebiet in der Steinzeit. Mehr ist über Zeeland während dieser Epoche jedoch nicht bekannt.
Erste belegbare Besiedlungen sind auf die Zeit um 2500 vor Christus nachgewiesen. Der Meeresspiegel war in dieser Zeit niedriger. Dies liess offenbar ein halbwegs sicheres Wohnen in dieser Region zu. Doch um 300 v.Chr. zwang der stets höher steigende Meeresspiegel die Bewohner die zeeländische Region zu verlassen.
Die Region war seit jeher bis in die jüngste Vergangenheit einem stetigen auf und ab unterworfen. Besiedeln und Verlassen, Landgewinnung und Landverlust, Wohlfahrt und Elend.
So auch wie um die Zeit um 100 nach Christus. Zeeland machte einen bedeutenden Teil des römischen Reiches aus, doch bereits um 300 nach Christus verschwand fast die gesamte Region wieder unterhalb des Meeresspiegels. Die verbissenen Angriffe des Meeres formten bis zum 7. Jahrhundert grosse Teile Zeelands, wie es heute bekannt ist.
Dabei wechselten die Heerschaften über den Küstenstreifen ständig. Germanen, Römer, Spanier, Franzosen, Engländer, Wikinger und Franken sind einige derer, die sich zeitweilig auf dem Gebiet gefestigt hatten.
 
Seit dem 11. Jahrhundert begann man allmählich mit dem Eindeichen von Inseln. Kleine Besiedlungen blühten im 12. und 13. Jahrhundert zu kleinen Städten auf, denn durch die ersten Deiche gab es auch erste vorsichtige Erfolge des Menschen gegen die Naturgewalt der Meeresüberflutungen.
 
 
Goldenes Zeitalter
Nachdem im Jahre 1585 die Schelde für die Schiffahrt geschlossen wurde und damit der Fall von Antwerpen besiegelt war erlebte Zeeland sein goldenes Zeitalter. Der Handel blühte und in der Region wuchsen die Hafenorte zu prächtigen Städten heran. Doch mit der Zeit verlagerte sich der ökonomische Schwerpunkt zu den nördlicheren Städten Hollands und die Blütezeit der Region um Zeeland war im 19. Jahrhundert wieder vorbei.
 
 
Zeitzeugen
Zeeland zeugte seit dem Mittelalter auch militärisch mit einer wichtigen strategischen Bedeutung. Im 16. Jahrhundert wurde das Seefort Rammekens auf Walcheren errichtet. Das Fort Rammekens ist bis heute in sehr gutem Zustand erhalten geblieben und gilt als Europas best erhaltenes Seefort welches auch heute noch zugänglich und zu besichtigen ist.
Auch der fortwährende Einfluss des Meeres auf Mensch und Landschaft ist an einigen Orten Zeelands noch heute zu sehen. Beispielsweise an der Oosterschelde südöstlich von Burgh-Haamstede. Der Ort Koudekerke war im 16. Jahrhundert ein kleines Dorf mit etwa 100 Einwohnern. Koudekerke lag damals etwa 4 km von der Nordsee entfernt und die Oosterschelde war nur ein kleiner Seitenarm des Meeres. Dann begann die Erosion im Oosterscheldegebiet. Aus Angst vor der Zerstörung des Dorfes durch die heranrollende Nordsee wurden die Häuser des Ortes im Jahr 1585 Stein für Stein abgetragen und die Siedlung an neuer Stelle wieder aufgebaut. Lediglich der Kirchturm blieb stehen und ist heute aus weiter Entfernung als Plompetoren zu sehen. Der Turm beheimatet heute eine Ausstellung, in der über das ehemalige Dorf informiert wird.
 
Auch aus der Zeit des 2. Weltkriegs sind zahlreiche stumme Mahnmale erhalten geblieben. In erster Linie sind auf Walcheren in einem Streifen zwischen Westkapelle bis Oudelande zahlreiche Kriegsbunker erhalten geblieben, die damals vom Naziregime errichtet wurden. Die Deutschen hatten das Gebiet besetzt um den strategisch wichtigen Seeweg auf der Westerschelde kontrollieren zu können. Im Oktober 1944 wurden die Deiche von Walcheren von den Alliierten bombardiert. Dies führte zur Überschwemmung großer Teile von Walcheren und die deutschen Truppen waren zum Rückzug gezwungen.
 
 
Ökonomischer Wandel
Zeeland war schon immer eine Region in der die Menschen in erster Linie mit dem Landbau ihren Lebensunterhalt sicherten. Die fruchtbaren Böden durch die 3 grossen Flüsse Rhein, Maas und Schelde sicherten gute Ernten. Mit der Gefahr von Überschwemmungen lernte man im Laufe der Jahrhunderte umzugehen, auch wenn der Mensch immer wieder grosse Niederlagen gegen das Meer hinnehmen musste. Die letzte grosse Sturmflut ereignete sich am 1. Februar 1953. Seitdem sichert der Deltaplan Mensch und Land vor Überschwemmungskatastrophen in Zeeland. Mit dem Deltaplan hielt auch der Siegeszug des Tourismus Einkehr in der Region, der seit den 80er-Jahren die Landwirtschaft als wichtigsten ökonomischen Zweig abgelöst hat. In Zeeland gibt es etwa 70 Bungalowparks, Tendenz steigend, sowie zahlreiche Campingplätze. Ebenso ist die Fischerei und Muschelzucht ein wichtiger Industriezweig für die Region geblieben.
 
4000 v.Chr.: Erste Siedler bewohnen dauerhaft die Dünenwälle von Schouwen.
 
57 v.Chr.: Römer nehmen Zeeland ein und festigen sich.
 
406 n.Chr.: Germanen breiten sich nach dem Rückzug der Römer in Zeeland aus.
 
700 n.Chr.: Der angelsächsische Mönch Willibrord predigt das Christentum auf Walcheren.
 
850 n.Chr.: Wikinger haben Walcheren unter Kontrolle.
 
1000: Erste Deiche werden von Menschenhand angelegt.
 
1128: Das Onze-Lieve-Vrouwe-Kloster in Middelburg wird zu einer mächtigen Abtei ausgebaut.
 
1375: Schwere Sturmflut an der Küste von Zeeuws-Vlaandern. Das Kreekengebiet De Braakman entsteht.
 
1404: Am 19. November 1404 ereignet sich die erste Sint-Elisabeths-Sturmflut.
 
1421: Am 18. November 1421 ereignet sich die zweite Sint-Elisabeths-Sturmflut. Das Biesbosch entsteht.
 
1539: Am 5. November 1539 kommt es zu einer schweren Sturmflut. Die sog. Sint-Felixvloed richtet schwere Schäden in Nord-Beveland, im südöstlichen Süd-Beveland und auf Sint-Philipsland an.
 
1570: Allerheiligenvloed. Durch die schwere Sturmflut entsteht das Verdronken Land van Saeftinge.
 
1584: Der Ort Koudekerke wird Stein für Stein abgetragen. Die Bewohner siedeln um. Es bleibt nur der ehemalige Kirchturm stehen.
 
1585: Sturz von Antwerpen. Die Westerschelde wird für die Schifffahrt geschlossen. Der ökonomische Schwerpunkt verlagert sich nach Zeeland. Das goldene Zeitalter bricht in Zeeland an.
 
1602: Ost-Indische Kompanie wird gegründet.
 
1621: West-Indische Kompanie wird gegründet.
 
1631: Die Stadt Reimerswaal wird von den letzten Bewohnern verlassen.
 
1660: Das goldene Zeitalter in Zeeland neigt sich dem Ende. Der ökonomische Schwerpunkt verlagert sich in nördlichere Regionen der heutigen Niederlande.
 
1682: Eine Springflut überschwemmt zahlreiche Polder in Zeeland.
 
1717: Sturmflut (Kerstvloed)
 
1807: Vlissingen wird von den Franzosen eingenommen.
 
1808: Am 15. Januar kommt es zu einer Sturmflut. Die Schäden bleiben überschaubar.
 
1809: Engländer landen im Juli 1809 auf Walcheren. Vlissingen wird durch englisches Kriegstreiben schwer beschädigt.
 
1814: Das Königreich der Niederlande fügen die zeeländischen Inseln mit dem Staat Flandern zur Provinz Zeeland zusammen.
 
1817: Der Kanal Middelburg - Veere wird eröffnet.
 
1826: Der Kanal von Terneuzen nach Gent wird gebaut.
 
1873: Der Kanal Middelburg-Veere wird erweitert; es entsteht der Kanal durch Walcheren.
 
1906: Am 12. März 1906 kommt es zu einer Sturmflut bei der 25 Polder überschwemmt werden. Der materielle Schaden hält sich in Grenzen.
 
1928: Tholen wird verbunden mit Nordbrabant.
 
1940: Zweiter Weltkrieg beginnt. Die Deutschen besetzen Zeeland.
 
1944: Die Alliierten Streitmächte bombardieren die Deiche von Walcheren. Das Land wird überschwemmt. Die Deutschen Kriegstruppen werden zum Rückzug gezwungen.
 
1945: Am 7.Mai 1945 wird Zeeland befreit.
 
1952: Das Gebiet de Braakman in Zeeuws-Vlaanderen wird durch einen Damm abgetrennt.
 
1953: Am 1.Februar 1953 kommt es zur schweren Sturmflutkatastrophe in Zeeland. Weite Teile stehen unter Wasser. Schouwen-Duiveland, Tholen, Sint-Philipsland und Overflakkee sind am schwersten getroffen. Es werden über 100 Deichbrüche gezählt.
 
1958: Die ersten Arbeiten am Deltaprojekt beginnen. Für die Ausführung sind zunächst 25 Jahre anberaumt.
 
1965: Am 15. Dezember 1965 wird die Zeelandbrücke, welche Duiveland mit Nord-Beveland verbindet, feierlich eröffnet.
 
1986: Am 4. Oktober 1986 wird mit der Fertigstellung des Sturmflutwehrs in der Oosterschelde das Deltaprojekt vollendet. Zeeland ist sicher gegen Sturmfluten.
 
2002: Die Oosterschelde wird zum Nationalpark erklärt.
 
2003: Am 14. März 2003 wird der Tunnel unter der Westerschelde geöffnet.
 

 
Fort Rammekens Innenansicht
Innenhof des Fort Rammekens an der Westerschelde. Die Seefestung wurde im 16. Jahrhundert errichtet und diente lange Zeit als Kontrollpunkt für die Westerschelde.
 
Wegweiserschild Strijd tegen water-Route
Zeeland bietet viele verschiedene Rad-, Fuss und KFZ-Wanderwege. Unter anderem auch den ´Kampf gegen Wasser´-Rundweg.
 
Der Plompetoren des ehemaligen Dorfs Koudekerke
Der Plompetoren des Ortes Koudekerke an der Oosterschelde.
© 2005-2009
Juergen Schiefer
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